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Eishöhlen im Jura

Geschichte/Artikel

Eishöhlen im Waadtländer- und Neuenburger Jura (Glacières)

Kaum jemand weiss, dass sich unter den saftigen Juraweiden, tief im Kalkgestein grosse Hohlräume befinden, in denen sich bis zu mehreren 1000 m3 Gletschereis gebildet hat.

Diese unterirdischen Gletscher nennt man Glacières, sie enthalten das ganze Jahr Schnee und Eis. Bis ins letzte Jahrhundert nutzte die lokale Bevölkerung diese Riesenkühlschränke zur Kühlung verderblicher Ware. In einigen Höhlen wurde Eis in grossem Stil abgebaut und an Restaurants, Bierbrauereien, Molkereien und Spitäler verkauft. Ein Gerücht besagt, dass im 19. Jahrhundert Eisblöcke aus dem Jura per Eisenbahn bis nach Paris verfrachtet wurden.

Wie entstehen solche Glacières?

Im Winter sinkt kalte Luft von oben in den steilen Eingangsschacht, der mit herabfallendem Schnee gefüllt ist und die Luft noch weiter abkühlt. Die kalte Aussenluft erwärmt sich beim durchströmen, entzieht der Höhle Wärme und wird wieder ausgestossen.
Im Sommer dringt Sickerwasser durch den porösen Stein und gefriert in der kalten Höhlenluft. Da kalte Luft schwerer ist als warme, gibt es in den Sommermonaten keine Luftzirkulation und die Schneeansammlung vor dem Eingang schmilzt nicht.

Heisse Sommer schaden den Eishöhlen nicht, aber durch die globale Erderwärmung sind in den letzten zwanzig Jahren die Winter trockener und milder geworden, so dass immer weniger Eis gebildet wird und dieses Naturphänomen verschwinden wird.

Im ganzen Juramassiv gibt es etwa vierzig bekannte Glacières. Zugänglich sind nur etwa zehn sieben davon werde ich näher beschreiben:

Das Eisloch (Creux de Glace) in Les Prés-de-Cortébert nahe bei der Métairie Petite Douanne ist etwa dreissig Meter tief. Es ist eine sehr kleine Höhle mit durch Sickerwasser gebildeten Stalagmiten. Der Abstieg ist gefährlich, weil nur eine wackelige Kette als Handlauf und eine morsche Leiter zum Eingang führt.



Die Glacière de Saint Georges befindet sich auf 1290 m zwischen dem Dorf Saint Georges und Pré-de-Rolle, mitten im Wald. Etwa 500 Meter entfernt auf der Forststrasse befindet sich ein Tuffsteinfelsen mit einem kleinen Holzbrunnen. Die Höhle selbst ist im Sommer eisfrei, doch unter dem Geröllboden befindet sich etwa 2300m3 Eis. Der Einstieg ist über drei Holzleitern möglich.



Die Glacière de Saint Livres oder Correntanaz befindet sich zwischen Bière und Marchairuz bei einer Berghütte auf 1362 m. Der Einstieg erfolgt über zwei Metallleitern, ist trichterförmig und verengt sich zusehends. Über eine 30 m lange Schneezunge gelangt man zu einem Eisstalagmit, der im Jahre 2003 leider abgebrochen ist. Das Eisvolumen beträgt 3000 m3.



Die grösste und schönste Glacière in der Schweiz ist die Monlési-Höhle. Sie liegt auf 1135 m Höhe, vom Col des Sagnettes aus etwa dreissig Minuten zu Fuss Richtung "Petite Charbonnière". Der Einstieg erfolgt über einen Drahthandlauf und eine Metalleiter. Der Höhleneingang ist sehr niedrig, die Höhle selbst ist 40 m lang und 30 m breit. Der Boden ist mit einer etwa 12 m dicken Eisschicht bedeckt. Die Höhle ist voll mit Eisstalagtiten und Stalagmiten. Das Eisvolumen beträgt 10000 m3.



Die Glacière de la Genoliere befindet sich oberhalb St.Cergue, nahe eines Bergbauernhofes im Naturpark la Givrine. Sie ist nur eine temporäre Eishöhle, das heisst sie ist im Sommer trocken.



Die Risoux Eishöhle ist etwa 25m tief und 67m lang. Sie befindet sich oberhalb Le Brassus in der Nähe vom Refuge de la Rodolphe mitten im Wald und ist sehr schwer zu finden. Auch diese Eishöhle ist nur nach sehr kalten Wintern permanent mit Eis gefüllt.



Die Grotte de la Glacière Chaux les Passavant befindet sich ca. 25 km von Besancon in der Franche Compté (F). Sie ist eine der grössten Grotten in Europa und ca. 160 Millionen Jahre alt. Wegen der grossen Eingangsöffnung muss sie im Winter mit einer Schneekanone aufgefüllt werden. Das interessante an dieser Eishöhle ist, dass sie in einer Nebenhöhle noch Stalaktiten aufweist. Im nahen Restaurant befindet sich ein sehenswertes Mineralien Museum. Diese Grotte ist nicht frei zugänglich und im Winter geschlossen.



Ich kann nur hoffen, dass die globale Erwärmung nicht so schnell fortschreitet, damit unsere Nachkommen noch die Gelegenheit haben werden dieses Naturphänomen zu studieren.

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(C) by Brigitte Reist

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